Forschungs­geschichte

Forschungs­geschichte

Geschichte eines halben Jahrtausends

Keszthely-Fenékpuszta am westlichen Ende des Balaton gilt ist einer der wichtigsten Fundplätze im heutigen Ungarn:

Die Spätrömerzeit und das Weiterleben christlich-spätantiker Traditionen bis zum 9. Jahrhundert betreffend.
Um die Mitte des 4. Jahrhunderts entstand hier eine 15 ha große Befestigung mit 44 Türmen und massiven Mauern. Innerhalb der Festung befanden sich Wirtschaftsbauten, Bäder und Gebäude mit öffentlich-repräsentativer Funktion. Südlich der Befestigung erstreckte sich ein großes Gräberfeld, das seit der Erbauung der Anlage bis zum 9. Jahrhunderts genutzt wurde.
Die Forschung vermutet, dass in Fenékpuszta auch nach dem Ende der Römerherrschaft – also ab Mitte des 5. n. Chr. Jahrhunderts – eine römische Bevölkerung zurückblieb. Dies zeigt sich in den archäologischen Hinterlassenschaften einer christlichen Gemeinschaft, die ihre antike Kultur und Beziehungen auch unter den Ereignissen der Völkerwanderungszeit bewahrte, obwohl die Gebiete Pannoniens während der folgenden Jahrhunderte abwechselnd von Hunnen, Ostgoten, Herulern, Langobarden und Awaren beherrscht worden.
In der archäologischen Forschung wird diese christliche Gemeinschaft ab der Mitte des 6. Jahrhunderts als Keszthely-Kultur bezeichnet, Funde aus reichen Bestattungen sowie eine frühchristliche Basilika zeugen von derer ehemaligen Existenz. Ab der Mitte des 7. Jahrhunderts war die Festung für 100 Jahre unbewohnt; erst ab dem 9. Jahrhundert erkannte man erneut ihre Bedeutung und die Festung wurde ins karolingische Reich integriert.

Pannonien in der Spätantike

Die im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründete römische Provinz Pannonia erstreckte sich über das Gebiet des heutigen Westungarn bis zur Donau im Osten, im Süden bis zur Save und im Westen bis zu den Ostalpen

Im Zuge der Verwaltungs- und Heeresreformen des späten 3. Jahrhunderts im Imperium Romanum wurde Pannonien in vier Provinzen unterteilt. Sowohl entlang der Donaugrenze als auch im Hinterland wurden Befestigungen erneuert und errichtet.
Zu den Neugründungen des 4. Jahrhunderts gehört auch Keszthely-Fenékpuszta, das in der Spätantike noch auf einer Halbinsel inmitten des damals flächenmäßig größeren Plattensees lag. Es handelt sich um eine Anlage auf rechteckigem Grundriss mit massiven Mauern und Türmen. Das Castrum war eingebettet in das Netz der Hauptverkehrswege, die von der Donaugrenze nach Westen und Süden ins Innere des Reiches führten. Es diente als Logistikzentrum der Versorgung der Armee mit Getreide, verfügte aber auch über repräsentative Bauten wie Ehrenbögen und Thermen, wie sie aus antiken Städten bekannt sind.
Keszthely-Fenékpuszta ist bislang einer der wenigen Orte in Pannonien, an dem sich eine Besiedlung über die Aufgabe der Provinz um die Mitte des 5. Jahrhunderts hinaus nachweisen lässt. Seine Bewohner bewahrten enge Kontakte zum Mittelmeerraum, unterhielten ihre Steinbauten und errichteten bis ins 7. Jahrhundert hinein auch neue. Die Ruinen des Castrum waren bis zum 18. Jahrhundert oberirdisch sichtbar, sein Gebiet wurde nicht modern überbaut.

Archäologische Erforschung der spätrömischen Befestigung

Die Mauern und runden Türme der spätrömischen Festung von Fenékpuszta umfassen eine Fläche von ca. 15 Hektar.

Bisher konnten drei Tore freigelegt werden: im Norden, im Süden und im Westen der Anlage. Das Vierte dürfte sich ursprünglich an der Ostseite befunden haben. Entlang der Straßenachsen, welche die Tore miteinander verbanden, standen die Innenbauten der Befestigung: das Horreum/Getreidespeicher (15), die Principia/Stabshaus (3), das Praetorium/Wohnhaus des Kommandeurs (4), repräsentative Bauten (A, 4, 23), einfache Wirtschafts- und Wohnbauten (5-13) und Badegebäude (24-25). An der Kreuzung beider Straßen kamen die Fundamente eines Tetrapylon (22) zum Vorschein.
Mithilfe von geophysikalischen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die gesamte Innenfläche der Anlage bebaut war. Die Festung wurde während des zweiten Drittels des 4. Jahrhunderts gebaut; umstritten ist jedoch, mit welchem Kaiser die Arbeiten in Verbindung zu bringen sind. Die Festung wurde mehrfach belagert, die Forschung verbindet dies mit aus Literaturquellen bekannten Barbareneinfällen. Die Befestigung wurde auch nach Aufgabe der Provinz durch die Römer von einer Gemeinschaft mit spätantik-christlich geprägter Kultur genutzt, deren archäologische Hinterlassenschaften als Keszthely-Kultur bezeichnet werden. Für die Zeit ab dem Ende des 7. Jahrhunderts sind bisher keine Siedlungsspuren aus der Festung bekannt, im 9. Jahrhundert wurden jedoch erneut Teile der Anlage genutzt. Vor allem die Veränderungen nach der römischen Periode untersuchte ein deutsch-ungarisches Forschungsprojekt (GWZO), sowie eine deutsch-ungarische Ausgrabung im Jahre 2009. Die Ergebnisse des Projektes werden im Rahmen einer neuen Reihe „Castellum Pannonicum Pelsonense“.

Die Festung von Keszthely-Fenékpuszta mit den Ergebnissen der archäologischen Forschungen zwischen 1879 und 2002.

Phase 0

Phase I

Phase II

Phase III

Bestattungen in Keszthely-Fenékpuszta (4.-9. Jh.)

Die Bewohner der Festung haben ihre Toten in der Regel außerhalb der Mauern bestattet.

Im Zuge der Forschungen des letzten Jahrhunderts kamen jedoch sowohl innerhalb der Befestigungsmauer als auch in ihrer weiteren Umgebung Nekropolen, beziehungsweise Gräber zum Vorschein. Eine grundlegende Frage ist, ob zwischen diesen Perioden eine Kontinuität festzustellen ist, ob also nach der Mitte des 5. Jahrhunderts hier weiterhin eine Bevölkerung existiert hat, oder ob sich nach dem Jahr 568 hier neue Einwanderer ansiedelten. Nicht auszuschließen bleibt auch, dass die Neuankömmlinge dabei auf eine einheimische, vor Ort verbliebene Bevölkerung trafen.

Bestattungen in Keszthely-Fenékpuszta – 4.-9. Jh.

 

Keszthely-Kultur (6.-9. Jh.)

Vilmos Lipp begann seine Forschungen auf den Friedhöfen der großen Migration der Region Keszthely in den Jahren 1879-1886.

Die Erforschung der großflächigen frühmittelalterlichen Gräberfelder in der Umgebung von Keszthely – in Fenékpuszta, Hévíz-Alsópáhok, Keszthely-Dobogó und in Keszthely selbst – begann zwischen 1879 und 1886 unter der Leitung von Vilmos Lipp. Weitere groß angelegte Forschungen erfolgten dann von 1948 bis 1961 durch Ilona Kovrig. Die Ergebnisse dieser beiden Forscher bestimmen bis heute die Vorstellung über die Keszthely-Kultur, als eine ethnisch bunt gemischte Gruppe, die am westlichen Ende des Balaton ab dem 6. Jahrhundert bis zum Ende der Awarenzeit (Anfang 9. Jh.) gelebt hat.
Die heutige Forschung bezeichnet die Hinterlassenschaft einer spätantik-christliche geprägte Gemeinde als Keszthely-Kultur, die sich anhand der Kleidungsaccessoires in den Frauenbestattungen definieren lässt: charakteristisch sind Körbchenohrringe, Scheibenfibeln und Haar- beziehungsweise Kleidernadeln. In den Männerbestattungen sind Funde aus Metall seltener; es handelt sich dann in der Regel um Gürtelbestandteile und Messer. Waffen kommen im Unterschied zur awarischen Praxis Zeit in den Gräbern nicht vor. Zu ihren Charakteristika gehören zudem in der frühen Phase verschiedene Fibeltypen westlich-merowingischen Typs (s- und Bügelfibel), und in der späten Phase aus Bronze gegossene Gürtelgarnituren awarischer Prägung (Ausstellungen).

Die Nekropolen der Keszthely-Kultur

Prähistorische Spuren bei Keszthely-Fenékpuszta

Fenékpuszta war während der Jungsteinzeit und der Kupferzeit ständig und dicht besiedelt

18-19. Die Geographie des Jahrhunderts behandelte die Wüsten als einen separaten Siedlungstyp. Siedlungen und Teile von Siedlungen, die kleiner als Dörfer waren, waren eng mit dem System der Großgrundstücke verbunden. Ihre Bewohner waren normalerweise keine Leibeigenen mit eigenem Land, sondern Angestellte, die im Austausch für Wohnraum und Löhne landwirtschaftliche und handwerkliche Arbeiten für das Anwesen des Vermieters, das Herrenhaus, ausführten. Die Massenausbreitung der Wildnis des Anwesens geht auf die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück und hängt eng mit der Umstrukturierung des Dorfnetzwerks zusammen, das während der türkischen Ära zerstört wurde.
Der Boden war während der Jungsteinzeit und der Kupferzeit aufgrund der hervorragenden Lebensbedingungen in der Region ständig und dicht besiedelt. Bereits in der Mittelneolithik wurde es als strategisch wichtiger Ort als Kreuzungspunkt für den Plattensee anerkannt. Während der späten Jungsteinzeit wurden sowohl an den Kreuzungen Fenékpuszta als auch Balatonhídvég große Siedlungen errichtet. Es gibt bekannte Stätten aus diesem Gebiet aus der frühen und späten Bronzezeit, aber der bedeutendste Bevölkerungsanstieg fand in der späten Kupferzeit statt.
In der Gegend von Fenékpuszta gibt es Einäscherungsgräber, die aus der frühen und mittleren Bronzezeit stammen. Funde, vielleicht weil die Kreuzungsstelle in Balatonmagyaród Fenékpuszta vorgezogen wurde. In der frühen Eisenzeit waren die Standorte am Westufer des Plattensees im Vergleich zur Spätbronzezeit erheblich reduziert und traten nun hauptsächlich in der Umgebung von Keszthely auf. Dieses Phänomen kann auf die zunehmende Rolle des strategisch wichtigen Kreuzungspunkts Keszthely-Fenékpuszta zurückzuführen sein. Am Ende der späten Eisenzeit, um 100 v. Chr., Siedelten sich die Kelten im östlichen, mittleren Teil der bereits bestehenden Festung an. Ihr archäologisches Vermächtnis ist aus ihrem Quondam-Herrenhaus und ihren Bestattungen bekannt.